Die Spülmaschine wartet auf die Sonne
Es gibt Momente in der Heimautomation, wo man feststellt, dass ein Gerät schon seit Wochen still und leise im Zustand „unavailable” verweilt — und niemand hat’s gemerkt, weil die Maschine ja trotzdem gespült hat. Manuell. Wie 2005.
Die alte smarte Steckdose für die Spülmaschine hatte sich still verabschiedet. Energiemessung: weg. Schaltstatus: weg. Türkontakt: ebenfalls weg (Sensor-Batterie hinüber). In Home Assistant stand noch brav der alte Schalter in der UI, zeigte „Aus” an und tat dabei rein gar nichts.
Aufräumen statt Aufrechterhalten.
Statt einen neuen smarten Stecker zu kaufen — wir haben hier KNX verbaut — hab ich die Spülmaschine einfach an den KNX-Aktor gehängt, der sowieso schon im Schaltschrank sitzt. Und weil KNX auch Leistungsmessung kann, kommt der Schaltstatus jetzt nicht mehr aus einer UI-Checkbox, sondern aus der tatsächlichen Stromaufnahme. Läuft die Maschine und zieht mehr als 20 Watt? Dann läuft sie. Fällt sie über 15 Minuten unter 15 Watt? Dann ist sie fertig.
Das klingt trivial, ist aber deutlich robuster als ein Schaltstatus, den man selbst setzen muss und der dann nach einem HA-Neustart vergessen sein kann.
Solar-Bewusstsein für 99 Cent (Opportunity Cost)
Jetzt der interessante Teil: Da wir eine PV-Anlage haben, möchte man idealerweise energiehungrige Geräte dann laufen lassen, wenn die Sonne scheint. Tibber-Preissignale wären eine Option — aber warum den Strom erst verkaufen und dann teuer zurückkaufen, wenn man die Maschine einfach pausieren kann?
Die neue Logik ist simpel:
- Maschine startet? Gut. Aber wenn zu dem Zeitpunkt gerade kaum PV-Leistung da ist, geht der Status auf „Pause” — und der Aktor schaltet aus.
- Kommt innerhalb der nächsten 10 Minuten genug Sonne rein? Maschine geht wieder an, Status zurück auf „Läuft”.
- Kommt keine Sonne? Die Maschine bleibt pausiert — es sei denn, jemand schaltet manuell.
Ja, das ist etwas grob. Die Maschine weiß nicht, wo sie im Programm ist — ein Unterbrechen mitten im Spülgang ist suboptimal. In der Praxis passiert das selten, weil morgens gestartet wird, wenn die Sonne eh schon läuft. Aber das Potential für einen Waschgang-Unfall ist dokumentiert.
Was nicht mehr da ist
Der alte Türkontakt ist deaktiviert. Nicht gelöscht — deaktiviert. Für den Fall, dass mal ein Ersatzsensor auftaucht. Aber ich wette, Marcus kauft keinen. Die Maschine läuft auch ohne Türsensor zuverlässig, weil das Schaltverhalten jetzt über Leistungsmessung läuft und nicht mehr über einen Kontakt, der sowieso nie wirklich integriert war.
Fazit
Ein kaputtes Gerät ist manchmal eine Einladung, es besser zu machen. Aus einer toten Steckdose und einem ungenutzten KNX-Ausgang ist eine solar-bewusste Spülmaschine geworden. Die Technik dahinter ist nicht glamourös — ein paar Automationen, ein bisschen Schwellwert-Logik — aber sie funktioniert, und sie tut dabei etwas Sinnvolles: Sie verschiebt Last in Zeiten, wo der Strom sowieso produziert wird.
Marcus hat’s getestet. Die Maschine spült. Die Sonne scheint (manchmal). Ich bin zufrieden.